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Akkordeon Artikel


MEINE WUNDERVOLLE REISE

Verfaßt von:
Bernadette Conlon
 

Veröffentlichung:

New Zealand Accordion Association Newsletter
 

Verfaßt am:

Juli 1996
 

Anmerkung des Herausgebers:

Bernadette Conlon ist 17 Jahre alt und lebt in Melbourne, Australien. Sie ist seit der Geburt im Grunde blind, mit einer Sehfähigkeit von weniger als 1%. Sie ist nicht nur eine unglaublich begabte Akkordeonspielerin, sie studierte auch Saxophon und Flöte. Bernadette verdiente sich ihr mehrfaches Musikdiploma und ist die erst Australierin, die das Lizentiat des Musik Diplomas mit dem Akkordeon erhielt. Sie ist die gegenwärtige Australische Preisträgerin und gewann die Südpazifische Meisterschaft 1995. Sie konnte aufgrund dieser Reise ihren Titel 1996 nicht verteidigen:


Ich kann mich sehr glücklich schätzen, die Gelegenheit gehabt zu haben, nach Deutschland zu reisen um an den Remscheid Meisterklassen teilnehmen zu können.

Ich wurde am Frankfurter Flughafen von meiner Gastfamilie, den Wronski's, abgeholt. Ich gelang, nach einem 25stündigen Flug, von dort aus nach zwei Stunden Fahrtzeit nach Essen. Nachdem ich Schlaf und Essen nachgeholt hatte, spielte ich mit Carina, der 14jährigen Tochter, Duette und wir bewiesen somit, daß Musik, oder wenigstens das Akkordeon, eine universelle Sprache ist.

Am nächsten Morgen fuhren Frau Wronski und ich nach Remscheid, um dort eine Woche intensiv Akkordeon zu spielen. Nach einer „molto prestissimo" Rede von unserem Veranstalter (in der ich als Gast aus Übersee erwähnt wurde, und ich nicht wußte wie und ob ich reagieren sollte), bekamen wir individuellern Solounterrichtsstunden von Professor Reidys erteilt. Danach wurde ich mitgenommen, um zwei der vier Orchester anzuhören, mit denen ich später spielen sollte. Nach dem Abendessen gab es ein wundervolles Konzert mit zwei ostdeutschen Buttonsakkordeonisten, die Solos und Duetts von originaler Akkordeonmusik und einigen Abschriften, darunter Piazzola (ein Favorit bei den Deutschen) spielten.

Am nächsten Tag, nach meinen Solostunden, wurde ich zu einem anderen kleineren Ensemble gebracht, das zeitgenössische Akkordeonmusik(aber nicht zu schlimm) spielte. Der Veranstalter war der Meinung, daß es eine gute Idee wäre, wenn ich mit dieser Gruppe spielen würde, aber ich glaubte, daß ich zu viele Schwierigkeiten haben würde, mich in diese Musik einzufinden. Ich mußte später dann doch hingehen und fand heraus, daß es nicht so schwierig war, wie ich erst erwartet hatte. Mir wurde auch ein Begleiter für diesen Tag zugewiesen. Er wurde mir von dem Veranstalter in Englisch wie folgend vorgestellt: „Er ist ein sehr netter junger Mann, der sehr gut mit jungen Damen umgehen kann!"... Nun, ich konnte nicht herausfinden, ob das stimmte, aber er erwies sich als ein sehr guter Begleiter.

Es passierte mir auch, daß eine Frau auf mich zukam und mir erzählte, daß sie mich in Melbourne als Straßenkünstlerin spielen gesehen hatte!!! Ist die Welt nicht sehr klein??

Wir hörten eine sehr interessante Vorlesung, die von einem über 80ig Jahre alten Musiklehrer gehalten wurde, der sehr viel Wert auf Rhythmus legte. Das Konzert an diesem Abend setzte sich aus einem Jugend- und Erwachsenenorchester zusammen. Der Standard dieser Gruppen war sehr hoch.

Donnerstag spielte ich dann in dem Orchester, das von dem Perfektionisten, Professor Dobler, dirigiert wurde. Wie Du Dir vorstellen kannst, mußte ich die Musik nachvollziehen können und herausbekommen wie der Professor sie gespielt haben wollte - und das in Deutsch!! Das Konzert am Donnerstag setzte sich aus einer Schweizer Volksgruppe zusammen. Die Spieler konnten das Pianoakkordeon, Buttonakkordeon und unzählige diatonische Volksinstrumente spielen. Ich war sehr erstaunt.

Jede Nacht gingen wir nach dem Konzert in den Keller hinunter, um mit dem Schweizer Akkordeonisten zu sprechen und ihm zuzuhören. Er war erstaunlich. Ich beobachtete, daß, je mehr er drank, er umso schneller spielte - und nach einigen Stunden spielte er in der Tat sehr schnell!! Donnerstag Nacht war die Nacht bevor ich in dem Konzert auftreten sollte. Ich war zum ersten Mal fähig, eine anständige Konversation in Deutsch zu führen. Ich war in Hochstimmung und fuhr fort, zu den zwei Schwestern zu sprechen, als der Veranstalter vorbeikam (den ich später meine „Remscheid Großmutti" nannte) und sagte (in Deutsch), „Du weißt, daß Du morgen spielen mußt...ja...Du mußt gut spielen! Du möchtest gut spielen, nicht wahr? Du mußt ins Bett gehen!" Und ich hatte gedacht, daß ich meine Eltern loshatte?

Das Konzert setzte sich aus einem Orchester aus Wien und mich zusammen. Ich wurde damit geehrt, eine der zwei einzigen Solisten in diesem Konzert zu sein und die Einzige, die an dem Remscheidkurs teilgenommen hatte.

Die nächste Woche wurde in Essen verbracht. Ich ging mit der 14Jährigen für zwei Tage zur Schule (sehr interessant - besonders Englisch). Ich hatte eine Unterrichtsstunde mit Professor Jurgen Lochter, einem hervorragenden deutschen Akkordeonspieler, Komponist und Lehrer, und hörte Proben der zwei Essener Akkordeon Orchester an. Alles höchst interessant. Ich habe eine sehr wertvolle Erfahrung dazugewonnen.

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