So, Du
willst an einem Akkordeonwettbewerb teilnehmen? Ha!Ha!Ha!! Laß
mich Dich nicht entmutigen-aber weißt Du denn WIRKLICH auf was
Du Dich da einläßt? Nun gut mein Freund,laß Dir von mir sagen:
Es gibt mehrere Arten von Leuten, die an einem Wettbewerb teilnehmen,
aber die Mehrheit gehört zu einem der drei folgenden Typen,
die ich hiermit näher spezifizieren möchte:
TYPEN 1, 2 UND 3
Typ Eins
Der Kamerad(in),der sich denkt, "Du armer Kerl! Was für
eine Chance hast Du eigentlich?" Das ist der ängstliche
Typ.
Typ
Zwei
Der Kamerad(in), der denkt, "Wettbewerbe? Pah! Das mache
ich mit Links!" Das ist der EINGEBILDETE Typ.
Typ
Drei
Der Bursche, der denkt,"Na gut, ich werde mein Bestes tun,
aber wenn ein anderer Kamerad gewinnen sollte, dann viel Erfolg
für ihn!" Er ist der NICHT-EXISTIERENDE Typ!
Dennoch
bearf es allerhand, an einem Wettbewerb teilzunehmen, wie der
Affe sagte, wenn er dieses oder jenes tat. Na gut, dann, Du
nimmst am Wettbewerb des Jahres teil - in der Tat, am Wettbewerb
deines Lebens!
DER GROSSE TAG IST DA
Laß uns als erwiesen annehmen, daß Du Deine vorbereitende Ausbildung
absolviert hast, hast alle Deine Stücke geübt, änderst deine"eigene
Wahl" in der letzten Minute und hast an ausreichend vielen
Gigs, Hochzeiten und Kindergeburtstagen gespielt, so daß Du
Dir die Aufnahmegebühr leisten kannst. Wenn Du besser bist als
die anderen, hast Du vielleicht schon mal einen kleinen Wettbewerb
gewonnen, die von "Gobbo Zahnpasta" ("Gobbo"
für eine gute Paste im Mund) und nun strebst Du nach Höherem.
Nun überspringen wir einfach mal die ängstlichen Wochen und
kommen zu dem Tag, der auf dem Kalendar in Rot angestrichen
ist.
Der große
Tag dämmert - kalt, klamm und Nieselregen. Du bemerkst, daß
Du Dir eine leichte Erkältung zugezogen hast, die Deine Hände
beim Frühstück so sehr zittern läßt, daß Deine Familie glaubt,
Du übst den Schüttelbalg. Du versuchst Deine zitternden Pfoten
in Deinen Taschen zu verstecken - und Du stellst fest, Du hast
Deine Hosen garnicht an!!
Na gut!
Und wenn schon! Vielleicht BIST Du ja ein bißchen nervös, aber
wie jeder NICHT- Wettbewerbsteilnehmer Dir sagen wird, alles
wird in Ordnung sein, wenn Du an der Reihe bist! WENN DU AN
DER REIHE BIST! Um diese Zeit am Morgen, hört sich das wie ein
Todesurteil an, oder etwa nicht? Na gut, Du ißt Deine Eierkrem
und Deinen Räucherhering, oder was auch immer Du durch Deinen
zugeschnürten Hals herunterbringst und begibst Dich auf den
Weg zur Wettbewerbshalle.
Falls
Du Deine Reise mit dem Zug machst, laß Dein Akkordeon mitten
im Gang stehen, so daß jeder darüber stolpern muß. Wenn sich
Deine Opfer wieder hochrappeln, händige ihnen Deine Visitenkarte.
Das ist eine tolle Werbeidee und hilft Dir die Zeit zuvertreiben.
Aber hier ein Wort der Warnung - trage keine Kremtörtchen oder
Marmeladenkuchen (unverpackt) in Deinem Akkordeonkasten. Ich
habe das einmal gemacht und habe hinterher einige sehr klebende
Passagen gespielt. Außerdem ruiniert es die Törtchen! Und die
Marmaladenkuchen werden weich!!
EINIGE ALTE STRASSENMUSIKANTEN
Auf Deinem Weg zur Konzerthalle, kommst Du vielleicht an einem
alten Straßenmusikanten vorbei. Habe Mitleid mit ihm.Sehr wahrscheinlich
war er einmal ein Wunderkind. Sie gehen alle den gleichen Weg
- zuerst haben sie ihren Namen in den Schlagzeilen - einige
Jahre später tauchen sie wieder mit einem Artikel in der Zeitung
auf - noch mehr Jahre verstreichen und Du findest einen kleinen
Absatz auf der Rückseite, der sagt,"Ex-Wunderkind stößt
Ex-Wunderkind unter den Zug". So, wenn Du einen triffst,
habe Mitleid mit ihm - vielleicht bin ich es!
Du kommst
an der Halle an. Tausende von Menschen sind da und die Akkordeons
an den Ausstellungsständen lassen Deines wie eine alte Pökelrindfleischdose
aussehen. Der Raum der Kandidaten ist eine Kakophonie des Lärms.
Du versuchst eine nette, kleine Ecke für Dich zu finden, hast
aber nur Erfolg von einem Repräsentanten des unteren Balkans
am Kragen genommen zu werden, der Dich breit angrinst und einige
sehr unverschämte Dinge zu Dir sagt, die er wohl offensichtlich
von einem Soldaten mit einem unangebrachten Sinn für Humor gelernt
hat.
Du fängst
bereits an, an den Fingernägeln zu kauen. HÖRE SOFORT DAMIT
AUF!!! Ich kann mich an einen Burschen erinnern, der das auch
tat und als es Zeit für ihn war zu spielen,starrte er verzweifelt
in den Raum und knabberte an dem ausgefransten Stumpf seines
rechten Handgelenks. Die Zeiger der Uhr nähern sich unbarmherzig
der Zeit Deines Auftrittes entgegen und ein hager ausehender
junger Mann, mit französisch-englisch: englisch-französischem
Wörterbuch und wucherndem Schnauzbart kommt plötzlich zu Dir,
um Dir zu sagen, daß Du in zwei Minuten "DRAN" bist.
Schnalle
Dir Dein Akkordeon an und HÖR AUF AN DEINEN FINGERNÄGELN ZU
KAUEN!!!! Du bist dran! Du bist WIRKLICH dran!! Die Bühne erstreckt
sich in weiter Ferne und das Meer der Gesichter sieht bemerkenswerterweise
wie eine Reihe Fischköpfe auf des Fischhändlers Brett aus. ES
IST EINE REIHE FISCHKÖPFE! Nein, ist es nicht - es ist das Publikum!
Jemand winkt Dir und sagt zu ihrer Nachbarin, "Siehe da,
Flo, da ist ja unser Harry. Guter alter Harry Junge!" Winke
nicht zurück, das macht keinen guten Eindruck und außerdem könnten
die Organisatoren denken, daß Du gehen willst. Du WILLST gehen?
Aber Du kannst nicht! Du bist dran - allein. Du siehst die Form
eines Etwas vor Dir. Es sieht aus wie - nein, es kann nicht
sein - aber es ist - nein, es ist nicht - doch es ist! Es ist
das Mikrophon, das Dich argwöhnisch anschielt.
HÖHER UND HÖHER
Natürlich war der vorherige Spieler ein zwei Meter großer Riese
und darum ist nun auch der Mikrophonkopf weit über Dir. Mühsam
erklimmst Du die schwankende Konstruktion, geistesabwesend wundernd,
ob Dich Deine Füße auf der Bühne während Deines Auftrittes halten
werden. Dann rennt der hagere junge Mann über die Bühne, um
Dir zu erklären, daß die kleine Schraube an der Seite dazu da
ist, daß Mikrophon niedriger einzustellen. Du fummelst mit der
Schraube herum und wünscht Dir, Du hättest eine Zange dabei.
OOOPS! Das Mikrophon rutscht Dir aus den Fingern und alles lacht.
Jeder, natürlich, außer Dir. DU willst etwas zu trinken, DU
willst zu Deiner Mami. Du willst, leidenschaftlich gerne , krank
sein.
Da hast
Du Dein Mikrophon, Dein Akkordeon ist spielbereit und das Probestück
schwebt in Deinem Kopf herum. Nun, wie ging es nochmal? Oh -
ja, Du ziehst gen Osten wie lodernde Flammen, fest entschlossen
das Publikum aus seiner Schläfrigkeit aufzuschrecken. Du wirbelst
herum und fällst flach auf Deinen Balg. Du stehst auf und öffnest
Deine Balggurte. Die Menge vor Dir wird langsam unruhig. Jemand
raschelt mit einer Tüte Kartoffelchips und schwach kannst Du
einen anderen Kandidaten im Hinteren des Raumes das Probestück
fehlerfrei spielen hören.
DAS PROBESTÜCK!
Du kommst zur Erde zurück zum Start - komm nun, SPIEL! Du stolperst
blindlings von der Bühne, nachdem Du einen schrecklichen Vortrag
gegeben hast - falsche Kopplungswechsel im zweiten Takt auf
der zweiten Seite - Du hast den einfachen Baßlauf verpatzt -
Deine rechte Hand schien sich beim chromatischen Lauf in eine
Klaue zu verwandeln. Jeder auf dieser Seite der Bühne grinst
Dich wehleidig an. Jeder freut sich hämisch!
DIE ANDEREN
Du bemerkst, daß alles vorbei ist und gehst zum Kandidatenraum
zurück. Die Leute geben sich heimlich einen Rippenstoß, sehen
Dich an als hättest Du entweder die Pest oder bist der Weltmeister
(das letztere bezieht sich natürlich auf die "Unter - Vier
Kandidaten").
Jeder
Kandidat, der nach Dir spielt ist einfach SUPERB- perfektes
phrasieren - klare staccato Baßläufe - chromatische Diskanten
laufen glatt und fließend unter kontrollierten Fingern. Das
ist das Ende des Wettbewerbs und jeder wartet auf die Ankündigung
der Gewinner. Du entdeckst den nächsten Ausgang und fängst an,
Deinen Fluchtweg zu planen, als Du, sehr schwach, wie von weiter
Ferne, Deinen Namen hörst.
Geschwind
wirbelst Du herum, um Deinen Ehre zu verteidigen und überlegst
Dir schnell soviele Entschuldigungen wie Du nur kannst. Aber
alle klatschen und zeigen auf Dich!!Nein, nicht das! Spott und
Hohn! Du kannst es nicht ertragen! Und dann, es dämmert Dir.
"Komm her, Harry, hol Dir Deinen Pokal!!!" Du hast
GEWONNEN!! Entschuldigt mich, wenn ich gleich in Ohnmacht falle.
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