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Akkordeon Artikel


AKKORDEON WETTBEWERB


Geschrieben bei:
Chiz Bishop
 
Veröffentlicht bei:
World Accordion Review
 

Datum:

September 1950

So, Du willst an einem Akkordeonwettbewerb teilnehmen? Ha!Ha!Ha!! Laß mich Dich nicht entmutigen-aber weißt Du denn WIRKLICH auf was Du Dich da einläßt? Nun gut mein Freund,laß Dir von mir sagen: Es gibt mehrere Arten von Leuten, die an einem Wettbewerb teilnehmen, aber die Mehrheit gehört zu einem der drei folgenden Typen, die ich hiermit näher spezifizieren möchte:


TYPEN 1, 2 UND 3
Typ Eins
Der Kamerad(in),der sich denkt, "Du armer Kerl! Was für eine Chance hast Du eigentlich?" Das ist der ängstliche Typ.

Typ Zwei
Der Kamerad(in), der denkt, "Wettbewerbe? Pah! Das mache ich mit Links!" Das ist der EINGEBILDETE Typ.

Typ Drei
Der Bursche, der denkt,"Na gut, ich werde mein Bestes tun, aber wenn ein anderer Kamerad gewinnen sollte, dann viel Erfolg für ihn!" Er ist der NICHT-EXISTIERENDE Typ!

Dennoch bearf es allerhand, an einem Wettbewerb teilzunehmen, wie der Affe sagte, wenn er dieses oder jenes tat. Na gut, dann, Du nimmst am Wettbewerb des Jahres teil - in der Tat, am Wettbewerb deines Lebens!


DER GROSSE TAG IST DA
Laß uns als erwiesen annehmen, daß Du Deine vorbereitende Ausbildung absolviert hast, hast alle Deine Stücke geübt, änderst deine"eigene Wahl" in der letzten Minute und hast an ausreichend vielen Gigs, Hochzeiten und Kindergeburtstagen gespielt, so daß Du Dir die Aufnahmegebühr leisten kannst. Wenn Du besser bist als die anderen, hast Du vielleicht schon mal einen kleinen Wettbewerb gewonnen, die von "Gobbo Zahnpasta" ("Gobbo" für eine gute Paste im Mund) und nun strebst Du nach Höherem. Nun überspringen wir einfach mal die ängstlichen Wochen und kommen zu dem Tag, der auf dem Kalendar in Rot angestrichen ist.

Der große Tag dämmert - kalt, klamm und Nieselregen. Du bemerkst, daß Du Dir eine leichte Erkältung zugezogen hast, die Deine Hände beim Frühstück so sehr zittern läßt, daß Deine Familie glaubt, Du übst den Schüttelbalg. Du versuchst Deine zitternden Pfoten in Deinen Taschen zu verstecken - und Du stellst fest, Du hast Deine Hosen garnicht an!!

Na gut! Und wenn schon! Vielleicht BIST Du ja ein bißchen nervös, aber wie jeder NICHT- Wettbewerbsteilnehmer Dir sagen wird, alles wird in Ordnung sein, wenn Du an der Reihe bist! WENN DU AN DER REIHE BIST! Um diese Zeit am Morgen, hört sich das wie ein Todesurteil an, oder etwa nicht? Na gut, Du ißt Deine Eierkrem und Deinen Räucherhering, oder was auch immer Du durch Deinen zugeschnürten Hals herunterbringst und begibst Dich auf den Weg zur Wettbewerbshalle.

Falls Du Deine Reise mit dem Zug machst, laß Dein Akkordeon mitten im Gang stehen, so daß jeder darüber stolpern muß. Wenn sich Deine Opfer wieder hochrappeln, händige ihnen Deine Visitenkarte. Das ist eine tolle Werbeidee und hilft Dir die Zeit zuvertreiben. Aber hier ein Wort der Warnung - trage keine Kremtörtchen oder Marmeladenkuchen (unverpackt) in Deinem Akkordeonkasten. Ich habe das einmal gemacht und habe hinterher einige sehr klebende Passagen gespielt. Außerdem ruiniert es die Törtchen! Und die Marmaladenkuchen werden weich!!


EINIGE ALTE STRASSENMUSIKANTEN
Auf Deinem Weg zur Konzerthalle, kommst Du vielleicht an einem alten Straßenmusikanten vorbei. Habe Mitleid mit ihm.Sehr wahrscheinlich war er einmal ein Wunderkind. Sie gehen alle den gleichen Weg - zuerst haben sie ihren Namen in den Schlagzeilen - einige Jahre später tauchen sie wieder mit einem Artikel in der Zeitung auf - noch mehr Jahre verstreichen und Du findest einen kleinen Absatz auf der Rückseite, der sagt,"Ex-Wunderkind stößt Ex-Wunderkind unter den Zug". So, wenn Du einen triffst, habe Mitleid mit ihm - vielleicht bin ich es!

Du kommst an der Halle an. Tausende von Menschen sind da und die Akkordeons an den Ausstellungsständen lassen Deines wie eine alte Pökelrindfleischdose aussehen. Der Raum der Kandidaten ist eine Kakophonie des Lärms. Du versuchst eine nette, kleine Ecke für Dich zu finden, hast aber nur Erfolg von einem Repräsentanten des unteren Balkans am Kragen genommen zu werden, der Dich breit angrinst und einige sehr unverschämte Dinge zu Dir sagt, die er wohl offensichtlich von einem Soldaten mit einem unangebrachten Sinn für Humor gelernt hat.

Du fängst bereits an, an den Fingernägeln zu kauen. HÖRE SOFORT DAMIT AUF!!! Ich kann mich an einen Burschen erinnern, der das auch tat und als es Zeit für ihn war zu spielen,starrte er verzweifelt in den Raum und knabberte an dem ausgefransten Stumpf seines rechten Handgelenks. Die Zeiger der Uhr nähern sich unbarmherzig der Zeit Deines Auftrittes entgegen und ein hager ausehender junger Mann, mit französisch-englisch: englisch-französischem Wörterbuch und wucherndem Schnauzbart kommt plötzlich zu Dir, um Dir zu sagen, daß Du in zwei Minuten "DRAN" bist.

Schnalle Dir Dein Akkordeon an und HÖR AUF AN DEINEN FINGERNÄGELN ZU KAUEN!!!! Du bist dran! Du bist WIRKLICH dran!! Die Bühne erstreckt sich in weiter Ferne und das Meer der Gesichter sieht bemerkenswerterweise wie eine Reihe Fischköpfe auf des Fischhändlers Brett aus. ES IST EINE REIHE FISCHKÖPFE! Nein, ist es nicht - es ist das Publikum! Jemand winkt Dir und sagt zu ihrer Nachbarin, "Siehe da, Flo, da ist ja unser Harry. Guter alter Harry Junge!" Winke nicht zurück, das macht keinen guten Eindruck und außerdem könnten die Organisatoren denken, daß Du gehen willst. Du WILLST gehen? Aber Du kannst nicht! Du bist dran - allein. Du siehst die Form eines Etwas vor Dir. Es sieht aus wie - nein, es kann nicht sein - aber es ist - nein, es ist nicht - doch es ist! Es ist das Mikrophon, das Dich argwöhnisch anschielt.


HÖHER UND HÖHER
Natürlich war der vorherige Spieler ein zwei Meter großer Riese und darum ist nun auch der Mikrophonkopf weit über Dir. Mühsam erklimmst Du die schwankende Konstruktion, geistesabwesend wundernd, ob Dich Deine Füße auf der Bühne während Deines Auftrittes halten werden. Dann rennt der hagere junge Mann über die Bühne, um Dir zu erklären, daß die kleine Schraube an der Seite dazu da ist, daß Mikrophon niedriger einzustellen. Du fummelst mit der Schraube herum und wünscht Dir, Du hättest eine Zange dabei. OOOPS! Das Mikrophon rutscht Dir aus den Fingern und alles lacht. Jeder, natürlich, außer Dir. DU willst etwas zu trinken, DU willst zu Deiner Mami. Du willst, leidenschaftlich gerne , krank sein.

Da hast Du Dein Mikrophon, Dein Akkordeon ist spielbereit und das Probestück schwebt in Deinem Kopf herum. Nun, wie ging es nochmal? Oh - ja, Du ziehst gen Osten wie lodernde Flammen, fest entschlossen das Publikum aus seiner Schläfrigkeit aufzuschrecken. Du wirbelst herum und fällst flach auf Deinen Balg. Du stehst auf und öffnest Deine Balggurte. Die Menge vor Dir wird langsam unruhig. Jemand raschelt mit einer Tüte Kartoffelchips und schwach kannst Du einen anderen Kandidaten im Hinteren des Raumes das Probestück fehlerfrei spielen hören.

DAS PROBESTÜCK! Du kommst zur Erde zurück zum Start - komm nun, SPIEL! Du stolperst blindlings von der Bühne, nachdem Du einen schrecklichen Vortrag gegeben hast - falsche Kopplungswechsel im zweiten Takt auf der zweiten Seite - Du hast den einfachen Baßlauf verpatzt - Deine rechte Hand schien sich beim chromatischen Lauf in eine Klaue zu verwandeln. Jeder auf dieser Seite der Bühne grinst Dich wehleidig an. Jeder freut sich hämisch!


DIE ANDEREN
Du bemerkst, daß alles vorbei ist und gehst zum Kandidatenraum zurück. Die Leute geben sich heimlich einen Rippenstoß, sehen Dich an als hättest Du entweder die Pest oder bist der Weltmeister (das letztere bezieht sich natürlich auf die "Unter - Vier Kandidaten").

Jeder Kandidat, der nach Dir spielt ist einfach SUPERB- perfektes phrasieren - klare staccato Baßläufe - chromatische Diskanten laufen glatt und fließend unter kontrollierten Fingern. Das ist das Ende des Wettbewerbs und jeder wartet auf die Ankündigung der Gewinner. Du entdeckst den nächsten Ausgang und fängst an, Deinen Fluchtweg zu planen, als Du, sehr schwach, wie von weiter Ferne, Deinen Namen hörst.

Geschwind wirbelst Du herum, um Deinen Ehre zu verteidigen und überlegst Dir schnell soviele Entschuldigungen wie Du nur kannst. Aber alle klatschen und zeigen auf Dich!!Nein, nicht das! Spott und Hohn! Du kannst es nicht ertragen! Und dann, es dämmert Dir. "Komm her, Harry, hol Dir Deinen Pokal!!!" Du hast GEWONNEN!! Entschuldigt mich, wenn ich gleich in Ohnmacht falle.

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